Kurs Systemische Traumapädagogik 2022 (2 Abschnitte)

Systemische Traumapädagogik

Wieso erschreckt Felix immer so heftig, wenn es mal laut wird? Julias Vater hat wahrscheinlich im Krieg ein Trauma erlebt. Was bedeutet das für seine 7-jährige Tochter? Warum verlässt der 10-jährige Emir nicht mehr das Haus und bleibt der Schule fern? Was soll ich tun, wenn die 16-jährige Faizah abwesend wirkt – manchmal spricht sie sogar mit veränderter Stimme? Was tun, wenn…?

Mitarbeiter*innen aus dem Sozial- und Gesundheitswesen sehen sich vielfältigen Fragestellungen in Bezug auf eine mögliche oder tatsächliche Traumatisierung gegenüber. Der Umgang mit den betroffenen Kindern, Jugendlichen und Familien stellt eine große Herausforderung im Alltag dar. Die Arbeit mit ihnen bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Verunsicherung (auf allen Seiten), Stabilisierung, Wiedergewinnung von Sicherheit und Integration der erschütternden Erlebnisse in den biographischen Kontext. Dabei spielt das Wissen der Mitarbeiter*innen um die Aufrechterhaltung der eigenen Kraft und Gesundheit, dem Umgang mit Krisen und der eigenen Erholung eine wichtige Rolle, um einem „Ausbrennen“ oder sekundärer Traumatisierung der Helfer*innen effizient vorzubeugen.

Mit dem Kurs „Systemische Traumapädagogik“ wollen wir dem großen Bedarf an traumaspezifischem Wissen im Sozial- und Gesundheitswesen begegnen und gemeinsam Handlungsmöglichkeiten entwickeln. Dabei wird die Vermittlung traumaspezifischen Wissens durch den bewährten systemischen Ansatz ergänzt. Dessen Stärke liegt im ausdrücklichen Einbezug des sozialen Systems des Kindes bzw. Jugendlichen (Familie oder auch Helfer*innensystem) und der konsequenten Orientierung an den Ressourcen der Betroffenen und des Helfer*innensystems.

Der Kurs richtet sich an Fachkräfte aus dem Sozial- und Gesundheitswesen, die – weit entfernt von therapeutischen Aufträgen – mit den oben beschriebenen Anforderungen und Belastungen in ihrem Berufsalltag konfrontiert werden und sich für diese anspruchsvolle Arbeit konkrete Handlungsstrategien aneignen wollen.

 

Wie profitieren Sie vom Kurs?

Sie erweitern Ihr Wissen und Ihre Handlungskompetenz im Umgang mit traumatisierten Kindern, Jugendlichen und deren Familien. Sie fühlen sich im Umgang mit ihnen und mit komplexen alltäglichen Herausforderungen, die vom Erleben traumatischer Ereignisse beeinflusst sind, sicherer und erlernen alltagspraktisches Wissen und Fertigkeiten. Sie kennen Ihre Grenzen und wissen, wann eine psychotherapeutische Traumatherapie angezeigt ist bzw. wie sie diese in Ihrer beruflichen Rolle unterstützen können. Gleichzeitig lernen Sie, was Sie mit Ihrer Profession zu einer Stabilisierung und Gesundung der Betroffenen beitragen können.

Sie setzen sich mit Ihrem Arbeitsfeld auseinander und reflektieren, wie Sie mit Ihren Stärken, Ihrem Humor und Ihrer Kreativität eine Bereicherung für Ihre Klient*innen und Kolleg*innen sein und bleiben können.

 

Was sind die konkreten Inhalte?

Die Teilnehmer*innen

• lernen die theoretischen Grundlagen der Psychotraumatologie kennen – akute und chronische Traumatisierung,
• lernen, was Bindung mit Traumatisierung zu tun hat,
• lernen, eine Traumatisierung zu erkennen,
• lernen die Besonderheiten des Zusammenhangs von Flucht, Migration und Trauma kennen,
• lernen, was schadet und was hilft im Umgang mit traumatisierten Menschen – innere und äußere Sicherheit, sie entwickeln eine traumasensiblere Arbeitsweise werden vertraut mit „Erste-Hilfe-Maßnahmen“ nach akuter Traumatisierung,
• lernen die Grundlagen der Psychoedukation zur Wissensvermittlung über Traumatisierung an Betroffene, Angehörige und Helferteams kennen,
• lernen relevante Teile des systemischen Ansatzes kennen,
• lernen, was eine sekundäre Traumatisierung ist,
• reflektieren hilfreiche Grundhaltungen, Psychohygiene, Selbstfürsorge und Burnout-Prophylaxe des Helfer*innensystems und deren praktische Anwendung im Arbeitsalltag und
• bekommen einen alltagspraktischen Einblick in die „Retter-Täter-Opferdynamik“ im Helfer*innensystem.

 

Wie wird im Kurs gearbeitet?

Im Kurs wird in vielfältigen Settings und Formen gearbeitet: Theorieimpulse, Plenum, Kleingruppenarbeit, Rollenspiele, Übungen, Selbsterfahrungseinheiten, Supervision von Fällen und Praxisreflexion. Anhand von Fallbeispielen aus der Praxis der Teilnehmenden und der Kursleitungen werden die Themen des Kurses in Verbindung mit Vorgehensweisen der systemischen Praxis erarbeitet. Die Verbindung mit eigenen persönlichen Beziehungserfahrungen ist ein wichtiges Selbsterfahrungselement, das von der professionellen Praxis nicht zu trennen ist. Die Bereitschaft der Teilnehmer*innen, sich auch mit ihren persönlichen Erfahrungen einzubringen, ist von besonderer Bedeutung. Dabei wird vor dem Hintergrund des Kursthemas sensibel mit jeder/jedem einzelner/einzelnem Teilnehmer*in umgegangen.

 

Zielgruppe: An wen richtet sich der Kurs?

Der Kurs „Systemische Traumapädagogik“ richtet sich an Sozialarbeiter*innen, (Sozial-)Pädagog*innen, Heilpädagog*innen, Psycholog*innen, Erzieher*innen, Krankenschwestern, Pflegkräfte, Ärzt*innen, Lehrer*innen aus Feldern der sozialen Arbeit und der Gesundheitshilfe, z.B. Helfer*innen, die traumatisierte Kinder und Jugendliche betreuen sowie Fachkräfte aus dem Jugendamt, von Erziehungsstellen, Fachdiensten und Beratungsstellen, dem Frühförder-, KiTa- und Hortbereich oder Fachkräfte, die als (Beratungs-)Lehrer*innen mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen konfrontiert sind.

 

Teilnehmer*innenzahl

Am Kurs können maximal 14 Personen teilnehmen.

 

Termine, Leitung, Kosten

„Systemische Traumapädagogik“ Termine   Leitung Kosten
Abschnitt 1 23. – 25.05.2022 Tanja Kuhnert 440,– €
Abschnitt 2 12. – 14.10.2022 Tanja Kuhnert 440,– €

 

Die Kosten werden in der Regel 4 Wochen vor Beginn in einer Summe fällig. Die Rücktrittsbedingungen finden Sie auf dem Anmeldeformular. Grundlage zur Teilnahme am Kurs ist die Kursanmeldung. Sie melden sich mit der Anmeldung verbindlich zu allen Kursabschnitten an.

Einzelheiten zur Fördermöglichkeit für Ihre Teilnahme erfahren Sie unter: http://www.bildungspraemie.info
Eine von Ihnen beantragte Förderung wird zunächst mit der Teilnahmegebühr verrechnet. Bitte beachten Sie dabei, dass bei nicht Bewilligung dieser Förderung der Differenzbetrag zur vollen Teilnahmegebühr Ihnen nachträglich in Rechnung gestellt wird.

 

Arbeitszeiten Kurstage

Tag 1: 09.30–12.30 u. 14.00–17.00 Uhr
Tag 2: 09.00–12.30 u. 14.00–17.00 Uhr
Tag 3: 09.00–12.30 u. 14.00–17.00 Uhr

 

Anmeldung

Bitte melden Sie sich online (www.tandem-freiburg.org oder www.systemisches-zentrum.de) an. Der Eingang der Anmeldung wird schriftlich bestätigt. Die Plätze werden in der Reihenfolge des Eingangs der Anmeldungen bis maximal 14 Plätze vergeben.
Änderungen wegen Krankheit der Referent*innen oder mangelnder Teilnehmer*innenzahl sind manchmal unvermeidlich. Bei zu geringer Teilnehmer*innenzahl behalten wir uns vor, das Seminar drei bis vier Wochen vor Beginn abzusagen.

Wir empfehlen den Teilnehmenden, eine Seminarrücktrittversicherung abzuschließen, um einen unvorhergesehenen/ungeplanten Rücktritt kurz vor Seminarbeginn finanziell abzufedern.

Vertragspartner ist wispo AG, Wiesbaden

 

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Telefon +49 (0) 761 – 45 89 56 33
Bitte sprechen Sie uns an, wenn Sie besondere Unterstützung/Assistenz brauchen.