Einführung in die Compassion Focused Therapy (CFT)

Eine Praxis des Mitgefühls in Beratung, Begleitung und Therapie

CFT – Compassion Focused Therapy: Mitgefühl im Fokus

Die Compassion Focused Therapy (CFT) wurde von dem britischen Psychologen Prof. Paul Gilbert und Kolleg*innen in den letzten 30 Jahren entwickelt und findet inzwi-schen weltweit großes Interesse. Neben einflussreichen Methoden wie der Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT), der emotionsfokussierten Therapie (EFT) u.a. reiht sich die CFT bei den achtsamkeitsbasierten und kontextuellen Therapien ein. Mit „Compassion“ meint Gilbert eine mutige und heilsame innere Haltung, sich selbst und der Welt gegenüber, die geprägt ist von wohlwollener Unterstützung.
Compassion, so Gilbert, umfasst drei Domänen: Weisheit, Wohlwollen sowie Engage-ment und wird definiert als die „Empfindsamkeit gegenüber eigenem Leid und dem Leid anderer Menschen, verbunden mit der tiefen Absicht, dieses Leid zu lindern und ihm vorzubeugen.“

Gilbert beobachtete im Kingsway Hospital in Derby (GB) in seiner psychotherapeuti-schen Arbeit sowie in seiner Forschungsarbeit mit schwer depressiven Patienten, dass deren Erleben oft von starker Scham und Selbstverachtung geprägt war. Sie fühlten sich nicht gewollt und ausgegrenzt und versuchten, ihre unangenehmen Gefühle zu regulieren, indem sie sich selbst oder andere kritisierten, verurteilten und schädigten. Ihre Fähigkeit, sich selbst zu besänftigen und Mitgefühl für sich und andere zu emp-finden, war kaum entwickelt. Stattdessen empfanden sie es als bedrohlich, Unterstüt-zung, Freundlichkeit und Verständnis anzunehmen. In diesem Zusammenhang erkannte Gilbert auch wichtige Gründe für stockende, schwierige und erfolglose Therapieverläufe. Mit der CFT entwickelte er einen Ansatz, der genau hier ansetzt und der feinfühlig und bewusst Mitgefühl in der therapeuti-schen Arbeit explizit einführt und betont.

Gilbert ist es wichtig, dass Patient*innen in ihren Therapien lernen, Sicherheit und Ge-borgenheit in sich selbst und mit anderen aufzubauen sowie Gefühle wie Freude, Lie-be, Güte und Mitgefühl zu geben, zu empfangen und für sich selbst aufzubringen. Die CFT konzentrierte sich im klinischen Kontext zu Beginn auf die Arbeit mit Pati-ent*innen mit stark verurteilender Selbstkritik und ausgeprägter Scham. Mittlerweile wissen wir, dass diese im Zusammenhang mit fast allen psychischen Störungen eine wichtige Rolle spielen, was die CFT zu einem transdiagnostischen Ansatz hat werden lassen. Die Wirksamkeit konnte so in den letzten Jahren für viele Symptome und selbst Psychosen nachgewiesen werden.

Im Onlineseminar werden wir neben einer Einführung in die Grundzüge und Hinter-gründe dieses Ansatzes, den Blick darüber hinaus lenken und üben, die CFT auch für uns selbst als Berater*innen, Begleiter*innen, Therapeut*innen zu nutzen. Einen Teil des Seminars widmen wir so der Erfahrung eines mitfühlenden selbstfürsorglichen Umganges mit uns selbst. Dabei werden wir immer wieder den Bogen schlagen zu den Fragen, wie Sie das, was Sie dabei anspricht, in die Kontexte bringen können, in denen Sie arbeiten.

In Verbindung zu systemischem Denken sind uns dabei auch mehrgenerationale Zu-gänge wichtig, die oft öffnende neue Sichtweisen auf größere Zusammenhänge er-möglichen. Durch Erkenntnisse und Anwendung aus der Bindungstheorie werden wir die Brücke schaffen können zwischen systemischen Therapien und der CFT als moder-ner, achtsamkeitsbasierter Ansatz der kontextuellen Verhaltenswissenschaft.

 

Ihr Nutzen: Wie profitieren Sie vom Onlineseminar?

Das Onlineseminar vermittelt praxisnah anhand zahlreicher Beispiele und Übungen, wie Sie Ihre Klient*innen unterstützen können, ihr Leben mit mehr Mitgefühl zu erleben – in authentischer Verbundenheit mit sich selbst und anderen. Dabei werden die hauptsächlichen Denk- und Handlungsmodelle von CFT sehr praktisch und lebendig erfahrbar gemacht, wobei der Praxis der Achtsamkeit in vielen Übungen ebenfalls ein großer Stellenwert zukommt. Sie erhalten eine Einführung in die Grundlagen des Ansatzes und Übungsmöglichkeiten, wie Sie

  • Aspekte von Mitgefühl und Selbstfürsorge für Klient*innen in Ihrem jeweiligen Arbeitskontext einbringen können,
    für und mit Klient*innen Übungen erleben können, die Mitgefühl und Selbstfürsorge begünstigen, hervorbringen und stärken,
  • Klient*innen helfen können, einen akzeptierenden und dennoch engagierten Standpunkt einzunehmen, aus dem sich leichter mit schmerzhaften Erlebnissen umgehen lässt,
  • als Berater*in oder Therapeut*in selbst flexibel bleiben und sowohl mitfühlend als auch den Anforderungen entsprechend in Kontakt gehen und bleiben können (auch mit sich selbst),
  • Verbindungen zu mehrgenerationalen, lebensgeschichtlichen Themen herstellen können und systemisches Arbeiten mit Mitgefühlspraxis verbinden können,
  • Stille und körperliche Zugänge als Ressource pflegen können.

 

Was sind die konkreten Inhalte?

Innerhalb von zwei Tagen lernen Sie die Grundzüge und Annahmen der Compassion Focused Therapy (CFT) kennen, die Erkenntnisse aus der Evolutionspsychologie, Neurowissenschaften und Bindungslehre miteinschließt. Sie lernen die CFT-Sichtweise auf Aspekte der Natur unseres Menschseins und Leidens kennen. Therapeutisch spielt die Unterscheidungen von drei in unserem Körper tief verankerten unterschiedlichen und gleichwohl aufeinander eng bezogenen motivationalen Prozessen eine Rolle, die sich stark auf unser emotionales Erleben auswirken. Sie werden diese drei CFT- Emotionsregulierungssysteme kennen- und mit ihnen arbeiten lernen. Dabei wird der Fokus auf der Stärkung von Mitgefühl liegen, das zentral ist bei der Fähigkeit, sich selbst und andere immer wieder emotionell zu beruhigen und mit sich und anderen Verbundenheit zu erleben. Dieser Teil wird im Kurs den größten Raum einnehmen.

Sie werden konkrete Interventionen ausprobieren und im Schwerpunkt eine Vielzahl von Übungen kennenlernen. Meist geschieht der Zugang über die eigene Erfahrung, die jeweils auch theoretisch eingeordnet wird. Anwendungsmöglichkeiten werden so meist ganz von selbst klar und spürbar. Wir werden manchmal in Kleingruppen üben und manchmal im Plenum. Es wird Raum sein für Fragen und Sie erhalten ein Skript sowie Anregungen zur Weiterarbeit mit dem, was Sie erfahren haben.

 

Wie wird gearbeitet?

Im Onlineseminar wird in einem Wechsel von theoretischen Impulsen, Praxisreflexion, Selbsterfahrung, moderierter Plenumsdiskussion, Kleingruppen und Einzelreflexion gearbeitet. Konkrete Übungen in Rollenspielen helfen, das Erlernte im geschützten Seminarrahmen in die eigene Arbeitsweise zu integrieren.

 

Termin und Arbeitszeiten

  • Donnerstag, 03. Juni 2021, 09.30 bis 17.00 Uhr
  • Freitag, 04. Juni 2021, 09.00 bis 16.30 Uhr

 

Zielgruppe: An wen richtet sich das Onlineseminar?

Zur Seminarteilnahme eingeladen sind Praktiker*innen aus dem Sozial- und Gesundheitswesen, z.B.:

  • Psychotherapeut*innen aller Ausbildungsarten,
  • Mitarbeiter*innen in Beratungsstellen aller Art,
  • Therapeut*innen mit Zusatzausbildung, z.B. „Systemische Therapie“,
  • Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen,
  • Psychosoziale Berater*innen,
  • Sozialpädagog*innen und Sozialarbeiter*innen,
  • Ärzt*innen,
  • Lehrer*innen und Schulpsychologi*innen.

 

Lernort

Das Onlineseminar findet auf der Videokonferenzplattform Zoom und auf der
E-Learning-Plattform Moodle (Arbeitsmaterialien) statt. Die digitalen Lernorte sind DSGVO-konform. Die Zugangsdaten werden rechtzeitig vor Beginn der Veranstaltung per E-Mail an die Teilnehmenden geschickt – und vor Beginn des Onlineseminars werden die Tools und Funktionen auf der Videokonferenzplattform genau erklärt und vorgeführt.

 

Technik und Ausstattung

Die Teilnehmer*innen benötigen einen internetfähigen Rechner (z. B. Laptop), einen Internetzugang, eine (integrierte) Webcam sowie ein Headset mit Mikrofon oder einen Konferenzlautsprecher. Es empfiehlt sich, aktuelle Betriebssysteme/Software auf dem Rechner zu nutzen, um an den Videokonferenzen teilnehmen zu können sowie Dokumente lesen und bearbeiten zu können.

 

Hinweise zum Datenschutz

Zur Durchführung unserer Onlineseminare verwenden wir Zoom und Moodle. Wir haben mit Zoom einen Auftragsverarbeitungsvertrag geschlossen. In diesen sind u.a. die sog. EU-Standard-Vertragsklauseln integriert. Bei dem von uns angekündigten Angebot handelt es sich um ein Videomeeting, welches sich exklusiv an Teilnehmer*innen von tandem-Fortbildungen richtet. Der Videokonferenzraum wird mit eigener Meeting-ID und eigenem Passwort für diese Veranstaltung angelegt.

 

Fortbildungspunkte

Werden bei Bedarf bei der PTK Baden-Württemberg beantragt. Bitte vermerken Sie dies bei der Anmeldung.

 

Für ganz Neugierige die passende Literatur

  • Paul Gilbert & Choden (2014): Achtsames Mitgefühl, Arbor Verlag
  • Mirjam Tanner (2015): Compassion Focused Therapy – Mitgefühl im Fokus, Ernst Reinhardt Verlag

 

Kosten und Zahlungsmodalitäten

Teilnahmegebühr: 270,– €
Darin enthalten sind Pausengetränke (Kaffee, Tee, Mineralwasser). Die Kosten werden mit der Einladung zum Seminar (ca. 6 Wochen vor Beginn) in Rechnung gestellt. Die Rücktrittsbedingungen finden Sie auf dem Anmeldeformular.

Für etwaige Übernachtungen tragen Sie bitte selber Sorge. Sie wünschen Unterstützung bei der Zimmersuche? Bitte melden Sie sich bei uns!

Einzelheiten zur Fördermöglichkeit für Ihre Teilnahme erfahren Sie unter: http://www.bildungspraemie.info. Eine von Ihnen beantragte Förderung wird zunächst mit der Teilnahmegebühr verrechnet. Bitte beachten Sie dabei, dass bei Nichtbewilligung dieser Förderung der Differenzbetrag zur vollen Teilnahmegebühr Ihnen nachträglich in Rechnung gestellt wird.

 

Anmeldung und Zulassung

Bitte melden Sie sich online (www.tandem-freiburg.org) an. Der Eingang der Anmeldung wird schriftlich bestätigt. Die Plätze werden in der Reihenfolge des Eingangs der Anmeldungen bis maximal 18 Plätze vergeben.

Änderungen wegen Krankheit oder Ausfall der Referent*innen oder mangelnder Teilnehmer*innenzahl sind manchmal unvermeidlich. Bei zu geringer Teilnehmer*innenzahl behalten wir uns vor, das Seminar drei bis vier Wochen vor Beginn abzusagen.

Wir empfehlen den Teilnehmenden, eine Seminarrücktrittversicherung abzuschließen, um einen unvorhergesehenen/ungeplanten Rücktritt kurz vor Seminarbeginn finanziell abzufedern.

Vertragspartner ist Jochen Leucht, tandem PRAXIS & INSTITUT, Freiburg

 

Sie wünschen Beratung? Bitte melden Sie sich!

Fragen zur Veranstaltungsorganisation: Bei inhaltlichen Fragen:

Gisa Windhüfel

institut@tandem-freiburg.org

Jochen Leucht

leucht@tandem-freiburg.org

Telefon +49 (0) 761 – 45 89 56 33

Fax +49 (0) 761 – 45 89 56 37

Bitte sprechen Sie uns an, wenn Sie besondere Unterstützung/Assistenz benötigen.