Die Mehrgenerationenperspektive in der Systemischen Familientherapie, Therapie und Beratung

Die Mehrgenerationenperspektive

gehört von Anfang an zum Gründungskanon der Systemischen Familientherapie. Sie stellt die Familie in den Kontext historischer Ereignisse und nimmt generationenüber-greifende familiäre Kontinuitäten wie Werte, Potenziale, Ressourcen, Bindungsmuster, aber auch Traumata und die „Weitergabe“ von schweren seelischen Störungen in den Blick.

Welche „Aufträge“ und „unverarbeiteten“ Erfahrungen haben die Großeltern an die Eltern gegeben, welche Bedeutung hat Loyalität und Familienehre zwischen den Generationen? Welche Themen wurden in die offene Kommunikation eingebunden und welche werden verschwiegen? Gibt und gab es in der Familie Tabus oder Geheimnisse?

Auch unsere eigenen mehrgenerationalen Erfahrungen, Loyalitätsbindungen und familiären Muster als Familienmenschen beeinflussen die Dynamik des therapeutischen Systems. Sie können zur Ressource oder Grenze unserer Arbeitsweise werden und sind die Grundlage unserer „Übertragungs- und Gegenübertragungs-bereitschaften“.

Das Seminar ist somit auch eine Einladung, in den eigenen Familienarchiven zu stöbern, Erinnerungsstücke und alte Fotos nochmal aufmerksamer zu betrachten und einmal genauer auf die Stimmen und das Schweigen unserer Ahnen zu hören.

 

Ihr Nutzen: Wie profitieren Sie vom Seminar?

Die Mehrgenerationenperspektive ist keine besondere Technik, sondern eine Weitwinkelperspektive. Obschon sie einige Standardmethoden hervorgebracht und verfeinert hat, ist sie vor allem die hohe Kunst der Systemischen Beratung und Therapie, mit familiärer Komplexität zu jonglieren.

Sie erhalten Hinweise zu den Indikationskriterien: Wann wird Familien angeboten, die Mehrgenerationenperspektive zu öffnen bzw. die Triade rückwärts zu rotieren?

 

Was sind die konkreten Inhalte?

Die Geschichte der Kriege und die Teilung Europas im 20. Jahrhundert ist immer auch Familiengeschichte. Für keine Familie gab und gibt es eine historischen „Auszeit“. In jeder Familie gibt es „verschwiegene Geschichte“ zu finden: „Was weiß ich, was will ich wissen, was könnte ich wissen?“. Konkrete Inhalte im Seminar sind u.a.:

  • Einstieg und Einführung: die Mehrgenerationenperspektive
  • Generationen I und II: zwei verschiedene Blickwinkel
    Vorführung von Ausschnitten aus dem Film von Malte Ludin „Zwei oder drei Dinge, die ich von ihm weiß“ (ca. 30 Minuten)
  • Diskussion und Sammlung zentraler Begriffe und Themen
  • Die wichtigsten Landkarten und Heuristiken der Mehrgenerationenperspektive
  • Genogramme vorwärts und rückwärts analysiert
  • Die Ebenen der Interpretation
    • Hypothetisieren und die Kunst des Fragens
    •  Die primäre Triade und Indikationskriterien für die Rückwärtsrotation der Triade
    • Fragen an das Genogram
  • Übungen
    • Lebendes Genogramm
    • Das Leben meiner Großmutter/Mutter bzw. meines Großvatervaters/Vaters, als sie in meinem Alter waren
    • Meine Familie im historischen Kontext

 

Zielgruppe: An wen richtet sich das Seminar?

Das Seminar richtet sich sowohl an „fortgeschrittene“ Berater*innen und (Psycho-)Therapeut*innen als auch an Einsteiger*innen.

 

Arbeitsformen: Wie arbeiten wir im Seminar?

Im Seminar wird sehr praxisorientiert gearbeitet. Methoden aus der Systemischen Familientherapie erleichtern und ermöglichen die gezielte Spurensuche in den Familiengeschichten zur transgenerationalen Weitergabe und Transformation von z.B. Gewalterfahrungen. Ausdrücklich versteht sich das Seminar als Anstoß zur Selbstbefragung, Ort der kollegialen Beratung und der professionellen Weiterbildung. Es besteht die Möglichkeit zur Fallarbeit. Die Arbeitsformen sind u.a.:

  • Fachliche, theoretische und methodische Impulse
  • Austausch im Plenum und in Kleingruppen
  • Methodische Einübung
  • Bearbeitung Ihrer Fallvignetten
  • Selbsterfahrung

 

Termin und Arbeitszeiten

Beginn:    Montag,    19. März 2018,    09.30– 12.30 u. 14.00– 17.00 Uhr
Ende:        Dienstag,    20. März 2018,     09.00– 12.30 u. 14.00– 17.00 Uhr

 

Fortbildungspunkte

werden bei Bedarf  bei der Psychotherapeutenkammer Baden-Württemberg beantragt.

 

Für ganz Neugierige die passende Literatur

  • Massing A., Reich G., Sperling E. (2006): Die Mehrgenerationen-Familientherapie. 5. überarbeitete Aufl. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht
  • Reich G. (2014): Die Mehrgenerationenperspektive und das Loyalitätssystem. In: Levold T., Wirsching M. (Hg.): Systemische Therapie und Beratung – das große Lehrbuch. Heidelberg, Carl Auer Verlag, S. 106– 110

 

Kosten

Teilnahmegebühr: 260,– €
Darin enthalten sind Pausengetränke (Kaffee, Tee, Mineralwasser). Für das Mittagessen finden Sie zahlreiche Restaurants fußläufig in der näheren Umgebung.
Für etwaige Übernachtungen tragen Sie bitte selber Sorge. Sie wünschen Unterstützung bei der Zimmersuche? Bitte melden Sie sich bei uns!

Einzelheiten zur Fördermöglichkeit für Ihre Teilnahme erfahren Sie unter: http://www.bildungspraemie.info
Eine von Ihnen beantragte Förderung wird zunächst mit der Teilnahmegebühr verrechnet. Bitte beachten Sie dabei, dass bei Nicht-Bewilligung dieser Förderung der Differenzbetrag zur vollen Teilnahmegebühr Ihnen nachträglich in Rechnung gestellt wird.

 

Zahlungsmodalitäten

Die Kosten werden mit der Einladung zum Seminar (ca. 6 Wochen vor Beginn) in Rechnung gestellt. Die Rücktrittsbedingungen finden Sie auf dem Anmeldeformular.

 

Anmeldung und Zulassung

Bitte melden Sie sich online (über unsere Website www.tandem-freiburg.org) oder schriftlich mit beigefügtem Anmeldebogen an.
Der Eingang der Anmeldung wird schriftlich bestätigt. Die Plätze werden in der Reihenfolge des Eingangs der Anmeldungen bis maximal 18 Plätze vergeben.

Vertragspartner ist tandem PRAXIS & INSTITUT GbR, Freiburg
Geschäftsführer: Gabi Locherer, Jochen Leucht

 

Sie wünschen Beratung? Bitte melden Sie sich!

Fragen zur Veranstaltungsorganisation: Bei inhaltlichen Fragen:

Gisa Windhüfel

institut@tandem-freiburg.org

Jochen Leucht

leucht@tandem-freiburg.org

Telefon    +49 (0) 761 – 45 89 56 33
Fax           +49 (0) 761 – 45 89 56 37
Bitte sprechen Sie uns an, wenn Sie besondere Unterstützung/Assistenz brauchen.